Dass alles seinen Preis hat heutzutage, ist allgemein bekannt – wie sich dieser dann aber zusammen setzt, gerade in der Hundezucht, wird oftmals nicht bedacht. Schnell heisst es, man wolle an seinen Welpen nur schnellstmöglich verdienen, verlange unverschämte Preise, die sich nicht rechtfertigen lassen.

Doch , sie lassen sich rechtfertigen. Schauen wir uns einnmal die aufkommenden Kosten einen seriösen Familien-Zucht an und warum unsere Hundepreise das drei- bis fünffache der sogenannten Billigwelpen (um die 300 Euro) ausmacht.

Möchte man sich eine gesunde, bewusst kleine Zucht mit vielen internationalen Linien aufbauen, um Gesundheit, Vielfalt, den Rassestandart und Verbesserungen dieses, sowie einen großen Genpool zu garantieren, so hat man erst einmal die Überlegungen: Woher bekomme ich/importiere ich meine Hunde für die Zucht? Welche Linien möchte ich verpaaren? Wessen Zucht spricht meine eigenen Ideen und Vorstellungen von gesunder Zucht an? Welchen Typus bevorzuge ich? Und vieles mehr…

Sich eine international anerkannte, tolle Linie mit einwandfreien Tieren aufzubauen, bedarf einer Menge Kapital, Geduld und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Bei weitem nicht alle Hunde, die man für die Zucht erwirbt, werden später auch zuchttauglich!

In meinem Fall habe ich vor ca. 7 Jahren mit der Teilnahme an Züchterseminaren begonnen und mich mit internationalen Zuchten zu beschäftigen, dessen Professionalität zu überprüfen und dann einige Hunde zu importieren. Keiner der Hunde kostete weniger als 1800 Euro nebst den Flugkosten  für den, persönlich vom Züchter oder Kurier begleiteten Transport des Welpen.

Warum nur Welpen? Ich wollte ein harmonisches Rudel zusammen stellen, in dem ich jeden einzelnen Hund selber erzogen und aufgezogen habe, seine Vorlieben und Eigenheiten kenne und später ganz geplant verpaaren kann. Sehr zum Leidwesen des Züchters geht dieser Plan nicht immer auf und ein Welpchen entwickelt sich trotz bester Voraussetzungen nicht für die Zucht – sei es auf Grund eines kleinen Gebissfehlers, eines Knickohres oder eines fehlendes Hodenabstieges. Dann muss der Junghund leider wieder abgegeben werden, dies zu einem wesentlich kleineren Geld, als man eigentlich gezahlt hat. Und ganz ehrlich: warum der Hund nicht als Liebhabertier bleiben kann? Weil ein Züchter nunmal nicht sammelt und auch gar nicht mehr als eine vom Veterinäramt festgelegte Anzahl von Hunden in seinen Räumlichkeiten halten darf und soll -schließlich will man jedem einzelnen Tier gerecht werden! Und für den jungen Hund wird schließlich auch ein guter Platz gesucht und dieser nicht wahllos dem erstbesten Interessenten in die Hände gedrückt!

Hat man also für teures Geld sein Rudel aufgebaut – bei ca 8 Hunden sind das schonmal locker 16.000 Euro (zzgl. Flugkosten, ca. 2.500 Euro) – so wartet man erstmal bei laufenden Kosten für tierärztliche Kontrollen (Impfungen, Zahn-OP z.B.), Futtermittel (Frischfleisch, hochwertiges TF zum Snacken, Knochen), Betten und Spielartikel und vorhergegangenen Kosten für das Herrichten einer geeigneten Zuchtstätte, oftmals verbunden mit baulichen Maßnahmen, Welpen-Kennels, Welpen-Startersets, Thermomatten und Geburtsset, Hundeausstattung allgemein ….. auf die Entwicklung der Hunde, bis diese dann mit ca. 12-16 Monaten ihre Zuchttauglichkeit erreichen.

In diesem ersten Jahr geht man natürlich auch auf die ein oder andere Ausstellung, um seine Hunde bei verschiedenen Zuchtrichtern vorstellig werden zu lassen und ein wenig seinen Kontakt zum Verein und den Kollegen zu pflegen – bei 5 Hunden sind das zB. 200 Euro Teilnahmegebühr und die Fahrtkosten (teils Übernachtung), da die Ausstellungen meist mehrere Stunden Autofahrt bedeuten. Und dies mehrmals im Jahr.

Des Weiteren – wenn nicht bereits im Vorfeld erfolgt – hat man natürlich die Kosten für einige Seminare zur Vorbereitung auf die Zucht. Denn Züchter wird man nicht mit dem Erwerb der Zuchthunde, sondern mit der passenden Ausbildung – sei es zumindest das Seminar für Zucht, Gesundheit, Erziehung, Haltung, Pflege  und Fütterung mit der Prüfung nach § 11 TierSchG, welche nunmal zwingend erfoderlich und absolut sinnvoll ist, wenn man eine offizielle Zucht führen möchte. Andere Seminare werden meist freiwillig besucht, sind aber durchaus interessant und Weiterbildung gehört nunmal in jedem Fachbereich dazu.

Leider wird oftmals vergessen, dass eine Zucht extrem viel Arbeit bedeutet! Auch und gerade bei Zwergrassen. Nicht selten stellt man seinen gesamten Alltag auf die Hunde um – da ist nicht oft ein langer Abend mit Kino und Essen drin, von Wochenendausflügen mal ganz abgesehn und sollte man einmal in den Urlaub fahren wollen, so muss das sehr gut organisiert werden. Vielleicht hat man ja ein liebes Familienmitglied, das aushilft – sonst muss ein erfahrener Tiersitter her – und der verdient recht gut.

Neben der täglichen Putzarbeit – denn viele kleine Pfoten machen auch viel Dreck, je nach Witterung – ist die Erziehung und der tägliche Spaziergang Pflichtprogramm. Mit 8 – 10 Hunden nicht sonderlich einfach zu bewältigen und auch sehr zeitintensiv, wenn man während der Läufigkeit mit den Hündinnen/Rüden getrennt raus geht. Man lebt nicht einfach so neben den Hunden her – man lebt mit ihnen und  auch entgegen aller Gerüchte unmöglich von ihnen! Bei mir war die Realisierung „Zucht“ nur durch meine vorausgegangene Berufswahl und mein Home Office möglich, sodass ich stets für die Tiere Zeit habe.

Hat man seine Erstkosten (ein höherer 5-stelliger Betrag!) nun beisammen und die Hunde sind nach erfolgter PL-Untersuchung und Gen-Tests auch uneingeschränkt zuchttauglich geschrieben, so könnte man ja einfach mal warten, bis die jeweilige Hündin läufig wird und den Rüden drauf lassen. Aber leider gibt es auch in der Tierwelt so manche Vorlieben und nicht jede geplante Verpaarung findet auch so statt. So muss eine Hündin auch einmal zum Fremddecken gebracht werden, wenn sie daheim nicht mag (Kosten zwischen 350 – 500 Euro) und nicht immer nimmt eine Hündin auf. Da hat man das Geld dann los und auch keine Welpen. Heisst, wieder ein halbes Jahr warten, bis die Hündin erneut belegt werden kann. Oder eben bis zur nächsten Läufigkeit, die ganz unterschiedlich sind von Hündin zu Hündin.

Hat man  das Glück und eine Verpaarung war erfolgreich, sichert das trotdzem nicht immer einen gesegneten Wurf nach 63 Tagen. Es kann – gerade beim Chihuahua – zu Geburtsproblemen kommen, die einen Kaiserschnitt erfodern, nachdem die Hündin dann oftsmals kastriert werden muss. Haben alle Welpen und die Mama dies überlebt und hat die Hündin trotz der Manipiulation genug Milch, so kann man noch von Glück sprechen. Andere Szenarien, in denen man die Welpen ohne Muttertier aufziehen muss oder die Kleinen ein so geringes Gewicht haben, dass sie kaum lebensfähig sind und harte Tage und Wochen anstehen, möchte man sich gar nicht ausmalen – einstellen darauf muss man sich trotzdem! Die viel schlimmeren Geburtskomplikationen möchte ich hier nicht aufführen.

Ein gesunder Wurf wächst die ersten 10 Wochen bei der Mama und im vertäglichen Rudel heran, lernt Alltagsgeräusche, Katzen, Kinder, fremde Besucher (ab einem gewissen Alter) kennen und lernt auch schon im besten Fall, dass der liebe Onkel Doktor bis auf einen Piekser nicht gefährlich ist und immer Leckerlis in der Tasche hat. Ein kleine Runde Autofahren und viel frische Luft im Garten gehören natürlich auch dazu. Selbst der Staubsauger und Kinderspielzeug, das komische Geräusche macht, wird nach und nach als normal empfungen. Man ist schließlich sehr bemüht, ein sozial stark und mutig aufgebautes Tierchen abzugeben und keinen kleinen Jammerlappen.

Und dieses putzmuntere Hündchen, schon teils erzogen und sozialisiert, bei bester Gesundheit und fehlerfrei soll man nun möglichst billig abgeben? Man „verdient“ schließlich einen Haufen Geld mit den Welpen?

Sehen wir uns den Verdienst an:

Laut Wirtschaftlichkeitsberechnung meiner Unternehmung – ich gehe hier also von meinen Investitionen in 2010 aus – ohne auch nur einen Wurf bisher gehabt zu haben – müsste ich jeden einzelnen Welpen für 2364 Euro verkaufen um nach ca. 5 Jahren wieder auf Null zu kommen!

Dies setzt sich aus dem Betrag aller bisherigen Anschaffungen zusammen: Tiere sowie Zubehör, Zuchtstätten-Ausstattung, TA, Futter, Seminare etc. Und dabei ist der kalkulatorische Unternehmerlohn für meine Arbeit/Zeit noch gar nicht mit eingerechnet! Den man aber – wenn man beim Finanzamt nicht als Liebhaber darstehen will – mit einbeziehen muss!

Da finde ich einen Preis zwischen 800 und 1.200 Euro für solch einen tollen Hund wirklich fair, angemessen und verdient – ob das nun geglaubt wird oder nicht – haben wir Züchter daran nichts verdient – zumindest nicht die ersten 4-6 Jahre einer Zucht. Wir arbeiten in erster Linie die zuvor entstandenen Kosten wieder rein!

So sieht es nunmal tatsächlich aus bei einer seriösen, veterinäramtlich kontrollierten Hausaufzucht!

Während der Billig-Vermehrer tatsächlich an seinen 300 Euro pro Hund verdient! Denn diese Hunde sitzen in dunklen Räumen in kleinsten Käfigen, bekommen alle paar Tage vielleicht die Käfige ausgespritzt, Wasser und Billigfutter aufgefüllt, keine Ansprache, Auslauf oder tierärztliche Betreuung, werden weder auf Erbkrankheiten getestet, noch auf den Rassestandart, die Elterntiere, sowie Welpen werden nicht geimpft, Tiere wahllos verpaart, wer eben gerade mal läufig ist (auch wenn die Tiere noch zu jung sind) – es entstehen also gar keine relevanten Kosten. Sollten Tiere mal sterben bei der Geburt oder zu alt werden, so schmeisst man sie einfach weg. Und jeder der einen solchen Welpen mit der Begründung „Er ist nunmal da, dann muss man ihn auch retten“ heraus kauft, unterstützt diese Branche, das Leid der Elterntiere und fördert die nächsten Würfe. Gäbe es endlich mal keine Abnehmer mehr für diese Tiere – so hart es auch klingt! – würde dem ganzen illegalen Treiben endlich ein Ende gesetzt. Die erworbenen Tiere sterben meist eh, sind ein lebenlang immungeschwächt oder kämpfen mit Fehlbildungen und späteren Skelett-Erkrankungen. Auch wenn die paar % Käufer, welche tatsächlich einen gesunden Hund erhalten haben, immer ganz laut schreien, das dies nicht der Wahrheit entspräche. Macht die Augen auf, was ihr da unterstützt!

Dies als kleiner Denkansatz, warum wir Züchter manchmal auch etwas ruppig geagieren, wenn es heisst, wir wollen uns eine goldene Nase verdienen und die Preise wären alle unangemessen, denn es gäbe die Hunde auch billiger ohne Papiere – die Papiere sind es kostentechnisch gar nicht! Sie garantieren aber, dass die letzten Generationen gesund und zuchttauglich sind, legt den Genpool fest und ist für die weitere Zucht hochinteressant. Bei solch einem Hund kann man die Gewissheit haben, dass man einen Freund fürs Leben gefunden hat!

 

Starnberger See, März 2015

Inhalt/Text: Tatyana Genz

Copyright/Urheberrecht: Tatyana Genz

Chihuahua vom Fünfseenland – Veterinäramtlich kontrollierte Zucht am Starnberger See.