Was ist Merle und wie vererbt es sich?

Wer merlefarbene Chihuahuas gesund züchten möchte, muss sich im Vorfeld über die genetische Disposition der Vererbung im Klaren sein. Egal wie lange man bereits züchtet – spezielle Farbmuster bedürfen einer umfangreichen genetischen Fortbildung, um sich seiner geplanten Anpaarungen sicher zu sein und auch Kunden über diese besondere Musterung fachgerecht informieren zu können.

Es soll hier nicht in die Tiefe der Genetik gehen – jedoch versuche ich, den Merle-Faktor veranschaulicht darzulegen und auf Besonderheiten hinzuweisen, wie Merle nicht entstehen sollte/darf.

Wichtig: Merle ist eine Genmutation – kein Defekt und hat seit Jahrzehnten Bestand in der Rassehundezucht!

Merle besteht aus einer unregelmäßigen Sprenkelung, die durch Aufhellung eines speziellen Grundpigments (Eumelanin) im Fell des Hundes entsteht – z.B. Aufhellung der Grundfarben schwarz, braun oder wildfarben. Die dadurch hervorgerufenen Flecken wirken gezerrt und sind meist über den gesamten Körper verteilt. Sie entstehen rein durch die Aufhellung des Eumelanin – des Pigmentes also, welches in dunklem Fell dominiert. Fellbereiche, die aus Phäomelanin (dominiert in hellem Fell) bestehen bleiben unverändert. Melanin = Pigment.

Es gibt aber auch die Besonderheit, dass Merleflecken nur im Welpenfell zu sehen sind und sich später verwachsen oder aber nur sehr geringfügig (z.B. an den Ohren, nur im Gesicht oder an der Rute) zu finden sind, was zu einem Hidden-Merle (Cryptic Merle) Hund führen kann. Dies kann für die weitere Zucht sehr gefährlich sein. Demzufolge muss einem Züchter die Genetik seiner Hunde über Generationen hinweg bekannt sein!

Das Merle Gen vererbt sich stets dominant! Das heisst, ein Welpe, der kein Merle aufweisst, kann das Gen auch nicht tragen. Weiße oder cremefarbene Welpen aus einer Merle-Verpaarung sollten vor Abgabe auf das Merle-Gen getestet werden, um den Verkauf eines Hidden-Merle Chihuahua an Laien zu vermeiden. Manchmal sind die Merle-Flecken so klein oder im cremefarbenen Fell verborgen, dass man sich nur mit einem Gentest per Labor sicher sein kann. Hierfür reicht ein völlig schmerzfreier Abstrich der Backenschleimhaut – bestenfalls durch den Tierarzt, da dann offiziell bestätigt.

Um Hidden-Merle Hunde bestmöglich zu vermeiden, sollten merlefarbene Chihuahua nur mit dunkel pigmentierten Hunden verpaart werden – also schwarz und schoko, welche bestenfalls auch in den vorhergegangenen Generationen kein oder wenig cremefarbene Hunde in der Linie haben. Zudem gilt es den Elterteil, der Merle aufweist nur mit einem Chihuahua anzupaaren, der sicher als Gen-Träger ausgeschlossen werden kann. Entweder per Vorlage eines Tests oder aber durch eindeutige Farbgebung ohne Merleflecken.

Es ist davon abzuraten, Merle mit hellen cremefarbenen Hunden zu verpaaren. Diese haben zwar meist volles Pigment – sind also nicht weiß, können jedoch (wie oben genannt) als Welpe evtl. Merleabzeichen gehabt haben, was zu Welpen in Double-Merle und somit kranken Tieren führt.  Zudem würden wahrscheinlich Hidden-Merle Welpen in creme entstehen, die in die falschen Hände geraten könnten.

Die Verbindung von Merle mit reinweißen Hunden oder aber Schecken, die mehr als 50% Weißanteil haben, ist nicht geeignet. Neben dem Hidden-Merle können hier durch fehlende Pigmentierung schwerwiegendere Schäden an den Welpen auftreten – z.B. Veränderungen an den Augen bis hin zu Blindheit und Fehlentwicklung des Innenohres.

Die Anpaarung von Merle x Merle zählt nach TierSchutzGesetz § 11b zur Qualzucht! 25% der entstehenden Welpen wären dem Erbgang nach homozygot (reinerbig) für Merle (sog. Double Merle) und durch die Kopplung des Gens höchstwahrscheinlich bei Geburt bereits schwer krank, wenn überhaupt lebensfähig.

M = Merlegen, m= nicht merle

Erbgang Double Merle: Mm x Mm = MM (25%), Mm (50%), mm (25%)

Eine weitere Besonderheit bei merlefarbenen Hunden ist, dass diese Tiere oftmals hellere Augen in grün-blau oder rein blau aufweisen. Auch diese Depigmentierung ensteht auf Grund des Merlegens. Blaue Augen sind jedoch laut Fachärzten nicht anfälliger für Krankheiten als dunkle Augen.

Zusätzlich kann Merle in sehr unterschiedlichen Farbschlägen entstehen, wenn das Delutegen (Verdünnung des Grundpigments) auch noch mitspielt.

Die Anpaarung von Merle mit Delutegen-Trägern oder reinen Delute-Tieren, sowie brindlefarbenen (gestromten) Hunden ist unter Züchtern umstritten, aber mit Sorgfalt und guter Kenntniss der Ahnen bis in die hinteren Generationen durchaus machbar. Ein Welpe aus einer brindle x merle Verpaarung sollte bei Unsicherheit der Fellfarbe nur mit einem zuvor durchgefühten Gentest verkauft werden!


Schema Anpaarung Merle x Delute aus unserer Leila in black merle mit Deckrüde Keks in schoko:

Da Leila auch Schoko trägt, sind sowohl Welpen in blue merle, als auch lilac merle enstanden. Die Kombination aus Merle und Delute hat sich bei dieser Anpaarung gleich 4 x ergeben (zwei blue merle Welpen und zwei lilac merle Welpen und zwei Geschwister in schoko Merle)

Merle Gang


Das Delute Gen wird in einem anderen Beitrag gesondert erklärt!

Tatyana Genz, September 2018
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Beispiele für Merlevererbung


Hündin Leila entstammt einer Schoko-Merle Mama und einem Black/tan Papa.

Erbgang: Mm, bb, Dd    x     mm, BB, DD

Leila ist black merle und trägt das Delutegen (Dd) und das Gen für die Fellfarbe schoko (Bb). Leila trägt selber keine Tan-Abzeichen, vererbt sie aber teils an ihre Nachkommen. Sie hat ein für Merle charakteristisches blaues Auge.

Viele Züchter nennen black Merle auch blue merle, was ich gezielt unterscheide, da blue die Verdünnung von schwarz und Leila definitiv schwarz ist.


Hündin Riva hat eine Schoko-Merle Mama und einen schoko/tan Papa

Erbgang: Mm, bb, DD     x     mm, bb, Dd

Riva ist Schoko-Merle mit Tan Abzeichen, trägt keine Verdünnung (DD) und natürlich nur schoko (bb). Sie hat braune Augen.


Hündin Kate entstammt unserer Leila und Rüde Keks.

Erbgang: Mm, Bb, Dd     x     mm, bb, Dd

Kate ist blue merle mit Tan Abzeichen – also Mm, dd (rein verdünnt) und trägt durch den Papa sicher Schoko (b). Ihre Grundfarbe war schwarz (Bb), was durch das Delutegen von beiden Eltern zu blue aufgehellt wurde. Kate hat zwei blaue Augen.


Hündin Kalahari ist die Schwester von Kate und entsammt demzufolge demselben Erbgang – mit dem Unterschied, dass sie die genetische Grundfarbe schoko (bb) hat, was mit dem Delutegen zu ihrem tollen Lilac Merle ohne Tan-Abzeichen geführt hat. Kalahari hat blau-grüne Augen.


Weitere Geschwister von Kate und Kalahari aus demselben Wurf:

Es zeigt sich die Besonderheit, dass alle 6 Welpen in diesem Wurf Merle aufweisen in schoko, blue und lilac.

Schwester Katniss ist eine Besonderheit – sie trägt die Merleabzeichen nur an Kopf und Schulter und diese verwachsen zunehmend. Sie ist keine wirkliche Hidden-Merle, aber eine Hündin, die später von Laien versehentlich mit einem Merle Hund angepaart werden könnte. Katniss ist privat vergeben und wird im passenden Alter kastriert.


Rüde O’Connor entstammt unserer Riva und Rüde Toby

Erbgang: Mm, bb, DD     x     mm, Bb, Dd

O’Connor ist black merle ohne Tan-Abzeichen, trägt das Schokogen durch Mama, evtl. das Delutegen durch den Vater. Er hat dunkle Augen.


Hündin Perla entstammt einer Creme-schoko Mama und einem Black Merle Vater

Erbgang: mm, bb, Dd     x     Mm, Bb, Dd

Perla ist Schoko-Merle Kurzhaar mit Tan-Abzeichen und trägt das Delute Gen (Dd). Sie hat 1 blaues Auge und 1 braun-blaues Auge.


Hündin Loomie entstammt unserer Perla und Deckrüde Keks

Erbgang: Mm, bb, Dd     x     mm, bb, Dd

Loomie ist (wie Mama) Schoko-Merle Kurzhaar, trägt evtl. Delute


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